Ein Gedicht von Reiner Kunze:
Einmal, noch vor der erschaffung des menschen
versuchte sich gott als kupferschmied
So enstand
der herbst in den Highlands
Dann verließ gott die einsamen berge für immer
Er war noch jung,
aber schon gott
In den kesseln
blieb ewiges wasser zurück
Du kannst die geduld wiederfinden,
die gott hier verlor
Ein Gedicht von Jan Skácel:
willst du nicht steinigen
mußt du ein stein in deinem herzen sein
und so erbarmen dich der deinigen
nie warf ein stein mit einem stein
Inspiriert durch Händels Messias habe ich die Zeit in meinen Seminaren in Tübingen außerfachlich sinnvoll genutzt, um mich einmal mehr an der Kunst des Schüttelreimens zu probieren.
Wunderbar. Herrlicher. Friedefürst.
Sieh an die schöne stille Welt,
in die ein großer Wille stellt,
was er durch seine Liebe weckt:
so rein, so klar, so wie beleckt.
Es ist der HERR! Sieh wunderbar
die Schaffenskraft, die bunter Wahr
und Wahrheit auftut im Gefild.
Sieh, wie er alle Schuld vergilt.
Ich fleh Dich, Dir Friedefürste,
still Du, wenn ich für Friede dürste.
Heute dirigierte ich aushilfsweise den Männerchor meines Mitbewohners. Männerchor: eine aussterbende Spezies. Schade oder zum Glück? Da kommen 20 motivierte Mittsechziger Mittwochabends nach der Gymnastikstunde noch gemeinsam in ihre Chorprobe und freuen sich auf nichts anders, als zu singen. Und sind eifrig dabei, wenn es darum geht, die richtigen Töne zu treffen. Und da mag es Dir jeder einmal richtig vorgesungen haben. Klingt das nicht herrlich? Als schön sind diese alten Stimmen bei weitem nicht mehr zu bezeichnen. Aber diese Aufmerksamkeit und Motivation, die sie einem über die anderthalb Stunden entgegenbringen! Nun gibt es in dieser 1000-Seelen-Gemeinde auch nicht viel Zerstreuung, da ist es schon mal was besonderes, wenn eine andere Chorleiterin kommt. Aber letztlich ist es wie in jeder mittelmäßigen Dorfmusik. Ein paar Übermotivierte, ein paar Mindertalentierte. Das Ergebnis ein undifferenziertes Gebrummel, dass sich mal weit über den Tonraum streut, mal irgendwo trifft und einpendelt. Die Richtigkeit des Notentextes ist da nebensächlich. Hatten wir doch wieder einen schönen Abend.
Seit September wohne ich in einer neuen WG. Wie ich mich gerade zum Frühstücken in der Küche aufhalte, höre ich meinen Mitbewohner, der an die Badtür klopft und ‘Guten Morgen’ ruft. Ich antworte aus der Küche - wohlgemerkt liegen beide Zimmer direkt nebeneinander. Ein Blick von ihm in die Küche: “Wer ist denn dann gerade im Bad?” “Niemand. Außer uns ist niemand da.” Und warum dann abgeschlossen sei? Demonstrativ rüttelt er an der Badezimmertür. Ich fühle mich auf den Arm genommen: Gerade war ich doch noch drin gewesen und außer uns war nunmal niemand da. Auch ich probiere mich also an der Klinke, drücke, stemme mich gegen die Tür - nichts. Sie ist zu. Wir blicken uns ratlos an. Spähen durch das Schlüsselloch. Der Schlüssel steckt von innen, wir können nichts sehen. Feierlich baut sich mein Mitbewohner vor der Badtüre auf und spricht: “Lieber Unbekannter. Du kannst jetzt herauskommen, wer auch immer Du bist. Wir tun Dir doch nichts.” Keine Regung im Bad, die Tür bleibt verschlossen. Schlüsseldienst? Hausmeister? Gewalt ist doch auch keine Lösung! Mein Mitbewohner drückt in einem letzten verzweifelten Versuch die Klinke und wirft sich gegen die Tür. Sie springt auf, das Bad ist leer. Der Riegel jedoch lugt zur Hälfte aus der Tür - bei der Erschütterung des letzten Zuziehens hatte sich der Schlüssel von alleine im Schloss gedreht und uns aus dem Bad ausgesperrt. Sachen gibt’s!
Der Sommer neigt sich dem Ende, herbstliche Winde streifen Kühle bringend durch Trossingen. Das neue Schuljahr beginnt und so nimmt auch mein Alltag - Schüler unterrichtend und Orchester leitend - wieder seinen Lauf. Heute war die erste Probe mit dem Musikverein Frittlingen; forschen Schrittes streben wir nun dem Weihnachtskonzert entgegen. Und es ist absehbar: Kommen lohnt!! Am 5.Dezember in Frittlingen gibt es ein abwechslungsreich gestaltetes Konzert der Orchester aus Frittlingen und Böttingen, u.a. mit Olympic Spirit, Chroniken von Narnia und einem Robbie-Williams-Medley.
Zückt den Kalender und merkt Euch dieses wichtige Datum vor!!
von mir geschüttelreimt
Wer reitet so spät im Wahn der Nacht?
Man sieht den Vater nah’n, er wacht
Über sein Kind, gar bang um sein Leben,
Hofft, dass die Brust noch lang wird beben.
Mein Sohn, du lieber Kerl, stöhn nicht!
Siehst, Vater, du den Erlkönig?
Den Erlkönig mit seiner Kron’?
Ich sag dir, da ist keiner, Sohn!
<Ich will dich mit dem Spiel verführen
Und Freude sollst du viel verspüren.
Auch jetzt im Winter steht gerade
Manch bunte Blume am Gestade.>
Mein Vater, siehst du am dunkeln Ort
Erlkönig finster munkeln dort?
Bleib ruhig, sagt der auf linde Weise.
In Blättern rauschen Winde leise.
<Folg mir in meine ferne Welt,
wo es dir nicht an Wärme fehlt.
Wirst du dein Leben nicht wann enden,
dann muss ich wohl Gewalt anwenden!>
Den Vater beschäftigen im Herzen
Seines Sohnes heftige Schmerzen.
Dessen Stöhnen wird immer mehr ungeheuer.
Wann kommen sie endlich her ins Gemäuer?
Er treibt das Pferd voll Willensstärke.
- Der Tod verrichtet stille Werke -
Schon schimmert in Ferne der Tag rot.
In seinen Armen das Kind ragt tot.
Krämer bei Nacht.
Ohhhhh, was für ein geniales Konzert gestern Abend in Achberg bei Sebastian Krämer - meinem Lieblingskabarettisten - voll tiefschwarzem Humor und Pointen im Minutentakt. Und das fast drei Stunden lang!
“Mit dem Untertitel ‘Ruhestörung für gehobene Ansprüche’ habe ich versucht, die Bildungsbürger anzusprechen…..nun, es war den Versuch wert.”
Einige der Konzertbesucher wussten gar nicht so recht, worauf sie sich da einließen - aber spätestens als er bei der Zugabe meinem Wunsch “Deutschlehrer” nachkam, hatte er die Herzen seines Publikums gewonnen.
Ein gelungener Auftritt, ein gelungener Abend - ein Künstler, der größte Hochachtung verdient.
(Joachim Ringelnatz)
Ich bin so knallvergnügt erwacht.
Ich klatsche meine Hüften.
Das Wasser lockt. Die Seife lacht.
Es dürstet mich nach Lüften.
Ein schmuckes Laken macht einen Knicks
und gratuliert mir zum Baden.
Zwei schwarze Schuhe in blankem Wichs
betiteln mich “Euer Gnaden”.
Aus meiner tiefsten Seele zieht
mit Nasenflügelbeben
ein ungeheurer Appetit
nach Frühstück und nach Leben
Das Semester hat neu begonnen - die Tage werden wieder länger, die Nächte kürzer. Und das im kulturellen Sinne: studentische Kultur. Und wie war das mit den Freitagen? Wer studiert schon freitags? Das süße Leben hat nun in dieser Hinsicht ein jähes Ende genommen. Ab morgen geht es in Tübingen aktiv los. Mein Leben als Germanist! Einführung in die Sprachwissenschaften und Übersetzen aus dem Mittelhochdeutschen - das verspricht doch spannende Augenblicke.
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