Archiv für die Kategorie 'Literatur'

“Tristanakkord” von Hans

„Er hörte leise Streicher, er hörte ein Schaben und Kratzen, dann ein trockenes Schlagzeug, dann wieder dieses Schaben und Kratzen, das langsam lauter wurde und sich allmählich verwandelte. [...] Nun zerrten die Streicher einen Flötenton hinter sich her, einen wimmernden, erschöpften und irgendwie ausgelaugten Flötenton, der wiederum vom mehr gehauchten als geblasenen Ton erst einer, dann mehrerer Trompeten gefolgt wurde. Das mussten die äußersten Ränder der Unterwelt sein, die Niederungen des Feuerstroms, seine Auen gewissermaßen.”

aus: Hans-Ulrich Treichel. “Tristanakkord”

Zugegeben, das Buch ist ein bisschen zäh, ich möchte fast sagen langweilig. Dadurch ‘“Tristanakkord” von Hans’ weiterlesen

Lyrik - eine Definition

nach Sebastian Krämer. Präzise, treffend, ehrlich! Ein Name aus tiefster Überzeugung zum Weiterempfehlen.

>>Lyriker sind Menschen wie andere auch. Sie machen dieselben Sachen, sie gehen auch aufs Klo und so…sie drücken sich nur anders darüber aus.
Ein Lyriker zum Beispiel würde sagen: „Als mir gestern auf dem Parkplatz mein Handy auf den Steinfußboden fiel, ist in seinem Inneren etwas zerbrochen.“
Oder ein anderes Beispiel.

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Salto grammaticale

Mein ehemaliger Lateinlehrer predigte: „Wenn ihr auf eine einsame Insel geht, nehmt drei Gegenstände mit. Die Bibel, ein Lateinbuch und ein Buch eurer Wahl.“
Betrachtet man Trossingen als eine Art Insel, so ist dieser Ratschlag durchaus angemessen. Für den Fall, dass einem alle Fälle wegschwimmen. Dann nämlich möchte man das Lateinbuch keinesfalls missen.

Wir analysierten ein Werk von einem hier namentlich nicht erwähnten Komponisten, welcher über einer Phrase die Anweisung „diese Ambitusse verwenden“ notierte. In mir sträubte sich alles, doch zu helfen wusste ich mir nicht.

Ambitus – Ambitusse? Ambitussen? Ambitüsser? Mein Professor kam eilends zu Hilfe. Das sei doch klar: Ambitus, Ambitūs. Ein Hoch auf die u-Deklination!

So strichen einige Tage ins Land, bis wir von Schönberg ein Werk analysierten, welcher häufig das Intervall mit dem schönen Namen Tritonus verwendete.
Er arbeitete also mit vielen Tritonüssen! Nein, Tritonüsse wachsen nicht auf Bäumen und essen kann man sie auch nicht. „Tritoni“ schlug ein pfiffiger Geist aus unseren Reihen vor. Aber Künstler wären keine Künstler, würden sie nicht auch hier aus der Reihe tanzen. Ganz klar: ab sofort etablieren wir Tritonus, Tritonūs! Ein Hoch auf die u-Deklination!

Häufig bewegte sich Schönberg also im Ambitus des Tritonus. Da man dieses Intervall von unterschiedlichen Tönen aus ansetzen kann, nutze er folglich die Ambitūs der Tritonūs.

Wie poetisch sie doch ist, diese u-Deklination. So schrieb doch schon Heinrich Heine

Kūß, die man stiehlt im Dunkeln
Und im Dunkeln wiedergibt,
Solche Kūß wie beselgen
Sie die Seele, wenn sie liebt!

Mit herzlichen Grūß!
Ein Hoch auf die u-Deklination!

Ungewisse Untiefen

„Werden Stadt und Fluss dagegen an einem trüben Januartag von einer Kuppel aus schattenlosem Licht und langweiligem Grau überwölbt, so kenne ich keine Gewissheit, die größer sein könnte als diese: dass alles menschliche Tun nur höchst unvollkommener, geradezu lächerlich hilfloser Ausdruck eines verborgenen inneren Lebens von ungeahnter Tiefe ist, das an die Oberfläche drängt, ohne sie jemals auch nur im entferntesten erreichen zu können.“

aus Pascal Mercier „Nachtzug nach Lissabon“, München 2006, ISBN: 978-3-442-73436-8
AMADEU INÁCIO DE ALMEIDA PRADO, UM OURIVES DAS PALAVRAS, LISBOA 1975

Ein so wunderschönes Buch, dass ich es jedem empfehlen möchte, der es noch nicht gelesen hat, der noch mit dem Gedanken spielt, es lesen zu wollen, und der es unbedingt noch einmal lesen möchte!

Dreikönigsarbeitsphase

„Sie liebte den düsteren Ernst des Gebäudes, die grauen, abblätternden Wände hinter der Bühne, das blankpolierte Holz und den dunkelroten Teppich im Foyer, das vergoldete Tunnelgewölbe des Konzertsaales und die berühmte Kuppel über der Bühne, die, so hatte man ihr erklärt, das Streben der Menschen nach Höherem verkörperte und den Genius der Harmonie durch einen Flammenball ewigen Feuers darstellte.“

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Kästner zum Gruße

“Wird’s besser? Wird’s schlimmer?”
fragt man alljährlich.
Seien wir ehrlich:
Leben ist immer
lebensgefährlich.

Erich Kästner (1899-1974), dt. Schriftsteller

Der Tanz der Verzückung

„Sie tanzte, wirbelte herum, doch ohne Rhythmus oder Anmut, eher wie das willkürliche Flattern von etwas, das sich im Wind verfangen hat. Ihre Schritte chaotisch und wirr, schienen kaum den Boden zu berühren.“

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