Wer wird so spät durch Nacht und Wind geritten?
Ein stolzer Rappe, unbestritten.
Auf ihm sitzt ein vom Vater gehaltener Sohn,
So reiten sie eilends der Nacht davon.
Mein Sohn, was wird Dein Gesicht geborgen so bang?
Der Erlkönig, er wird gesichtet schon lang.
Wird er von Dir denn nicht gesehen?
Mein Sohn, es sind bloß Nebelwehen.
<Du liebes Kind wirst mit mir genommen,
Gar schöne Spiele sollst Du bekommen.
Manch bunte Blume wird an den Strand geschwemmt,
Von meiner Mutter getragen wird manch gülden Hemd.>
Mein Vater, mein Vater, wird von Dir nicht gehört,
Wie Erlenkönig mich leise betört?
Mein Kind, mäßige in Deiner Brust die Glut.
Dürre Blätter werden erregt vom Wind in seiner Wut.
<Erst werde ich Dir Dein Leben ausschütteln,
Dann sollen Dich meine Töchter betüddeln.
An den Reigen meiner Töchter sollst Du Dich erfreuen,
Die den Weg in Deinen Schlummer werden betreuen.>
Mein Vater, ein jeder ist blind, der nicht sieht
Erlkönigstöchter in diesem Gebiet.
Mein Sohn, es wird von mir eifrig geschaut,
Doch sind bloß die alten Weiden ergraut.
<Du wirst von mir heiß geliebt und verehrt,
So sollst Du mir nicht länger bleiben verwehrt.
Dein Körper: zart, sinnlich und makellos!
Den will ich entreißen Deines Vaters Schoß.>
Mein Vater, mein Vater, ich werde berührt.
Durch Erlkönig hab ich ein Leids verspürt.
Dem Vater sitzt tief im Herzen der Schrecken,
Drum reitet er stürmisch den tapferen Recken.
Das Pferd wird getrieben gar wild, ohne Rast.
In des Vaters Armend wird das Kind gefasst.
Der Hof wird mit Mühe und Not erreicht,
Doch das ächzende Kind ist verstummt und erbleicht.
Klasse Corinna!
Wenn Du ‘mal wieder viel Zeit hast, hier
mein Vorschlag für Deinen nächsten “Passiv-Ritt”:
“der Schimmelreiter” von Th. Storm.
lG