„Sie liebte den düsteren Ernst des Gebäudes, die grauen, abblätternden Wände hinter der Bühne, das blankpolierte Holz und den dunkelroten Teppich im Foyer, das vergoldete Tunnelgewölbe des Konzertsaales und die berühmte Kuppel über der Bühne, die, so hatte man ihr erklärt, das Streben der Menschen nach Höherem verkörperte und den Genius der Harmonie durch einen Flammenball ewigen Feuers darstellte.“
aus Ian McEwan, „Am Strand“, Zürich 2007, ISBN: 978-3-257-06607-4
Einer anstrengende aber auch sehr schönen Proben- und Konzertphase wohnte ich vom 1. - 6. Januar dieses neuen Jahres in Trossingen bei, mit Konzerten in Stuttgart, Tuttlingen und Trossingen selbst.
Leider hat ein böser Virus die Hälfte des Chores für die Konzerte in Tuttlingen und Trossingen außer Gefecht gesetzt, sodass diese nicht ganz zu unserer Zufriedenheit gelaufen sind. Aber die alten Leute sind toll, sie freuen sich trotzdem über die Musik und sehen großzügig über unsere Patzer hinweg. Mir hingegen tut der misslungene Alteinsatz im Bach noch immer Leid…
„Sie mochte die alten Leute, die Minuten brauchten, um aus ihren Taxis zu steigen, diese letzten Viktorianer, die am Stock zu ihren Plätzen schlurften, um in wachem, kritischen Schweigen zuzuhören, die mitgebrachte Decke über den Knien. Diese Fossilien mit ihren knöchernen, andächtig der Bühne zugeneigten Schädeln waren für sie die Verkörperung von Kunstsinnigkeit und weisem Urteilsvermögen oder gar musikalischer Erfahrung, der die arthritischen Finger nicht länger Ausdruck verleihen konnten.“
Inzwischen regenerieren sich die meisten wieder und einige wenige haben es so geschickt wie ich angestellt und sich erst gar nicht von diesem bösen Virus anstecken lassen. Auf einen gesunden Start in den Endspurt dieses Semesters! Es ist schön, dass sich die Hochschule langsam wieder mit Leben, mit lieben Menschen füllt.
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