Hans aufs Herz – Beweinung durch die Mutter

„Aber Mutter weinet sehr, hat ja nun kein Hänschen mehr.
Da besinnt sich das Kind, kehrt nach Haus geschwind“

Betrachten wir als geklärt, dass ‚das Kind’ rein formal ob der Abstammung von seinen Eltern als solches bezeichnet ist. So können wir uns des Hansens wahrer geistiger Größe widmen.
Hans befindet sich nun auf Wanderschaft, fühlt sich wohl in seinem Gemüte und setzt leichtfüßig Schritt um Schritt. Bald mit einem verträumten Lächeln, bald heiter summend genießt er das wunderbare Schauspiel der Natur.

Zu Hause in weiter Ferne sitzt seine Mutter mit rot-verquollenen Augen am Küchentisch, hat es nie gelernt oder war schlicht noch nicht darauf vorbereitet, loslassen zu müssen.
Sie ist untröstlich.

Doch woher weiß Hans von den emotionalen Umständen seiner Mutter?

Nun ginge es ein bisschen zu weit, Hans telepathische Fähigkeiten zuzuschreiben. Es muss eine zwangsläufig plausible Erklärung der Informationsvermittlung geben, deren Gebrauch Hans ob seiner ihm geistig zugeschriebenen Größe fähig ist.

In der heutigen Zeit fällt spontan das Internet ein, auch wenn diese Novation weit nach Hansens Reise erst entstanden ist. Doch selbst hierzu müsste er in der Lage sein, ein technisch hoch kompliziertes Medium zu bedienen, er müsste sich beispielsweise über die Existenz von Internetcafés bewusst sein, des Lesens und Schreibens elektronischer Post imstande.

In diesen Rahmen fällt auch der traditionelle Briefkontakt. Auch auf Reisen kann man Briefe empfangen, jedoch nur unter Angabe einer Adresse. So hätte Hans also planen müssen, zu einem bestimmtem Zeitpunkt an einem bestimmten Orte zu sein, um einen Brief seiner Mutter in Empfang nehmen zu können – Befähigung zu vorausschauender Planung.

Vielleicht hat Hans seine Mutter auch angerufen, um sich über ihren Gemütszustand in Kenntnis zu setzen. Mit dem so genannten Handy wäre das nicht weiter schwer gewesen. Doch auch stand, wie das Internet, noch nicht zur Verfügung. Kartentelefon, Münzfernsprechapparat, R-Gespräche…all diese Möglichkeiten zu kennen und zu gebrauchen, dazu bedarf es mehr, als man ‚Hänschen’ im ersten Augenblick zugetraut hätte.

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