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Faszination Praxissemester

Anstrengend ist es zweifellos. Und dennoch, man muss diese kleinen, hilflosen, niedlichen Kreaturen einfach liebgewinnen. Auch wenn sie bisweilen zu kratzigen Bestien mutieren können. So ist es doch erstaunlich, dass ich als Praxissemestler vorbehaltlos zu den Lehrkörpern gerechnet werde; die Kinder sind rücksichtsvoll, höflich und freundlich. Sie grüßen stets und die Unterstüfler wenden sich sogar im Unterricht bei Gruppenarbeiten mit Fragen sehr häufig an mich, wenn die Lehrerin gerade am anderen Zimmerende beschäftigt ist. Aber skurril ist es doch, von den Oberstüflern gesiezt zu werden, die doch nur wenige Jahre jünger sind.

Und dass es mit der Autorität so wunderbar klappt, ist einer der großen Vorzüge. Als wir gestern mit dem Schulorchester im Landtag in Stuttgart waren, hat doch bei meinen geliebten wilden 9.Klässlern nur ein Seitenblick gereicht und schon haben sie sich wieder benommen und waren lammfromm. Wenn das mal anhält!!

Mein erster Schultag

Laut! Es ist so laut. Wer dachte, Schule sei ein Spaziergang, vielleicht weil er selbst immer nur geschlafen hat, der irrt. Und es sind noch nicht einmal nur die etwa 900 Schüler, die soviel Krach machen. Auch im viel zu kleinen Lehrerzimmer für 62 Kolleginnen und Kollegen summt es wie in einem Wespennest. Zum Glück ist da für Praktikanten und Referendare kein Platz mehr, sodass wir mit unserem Arbeitsplatz in die angrenzende Küche mit Kaffeemaschine ausgelagert wurden. Dabei konnte ich die Kaffeemaschine noch nicht einmal selbst ausprobieren - womöglich sind wir das meistbesuchteste Zimmer. Preisen wir den Vorteil, dass jeder vorbeikommt, um uns willkommen zu heißen!

Nun also hospitiere ich, schreibe mir Methoden auf, wie man unbeugsame Schüler in den Griff bekommt und wenigstens ein paar Minuten durch geistreiche Stillarbeit für einen erlösenden Augenblick rettender Ruhe sorgt. Mein Gehör ist schon ganz wund. Aber in dieser Hinsicht bekomme ich tröstende Worte mit auf den Weg; an solche Dinge werde man sich schon gewöhnen und ich müsse dieses Stadium nicht als einzige durchlaufen.

Fortan werde ich auch Pausen in der Musik noch weit mehr zu schätzen wissen!

Spruch des Konfuzius

Pflege der Musik - das ist die Ausbildung der inneren Harmonie.

Nur noch wenige Tage, dann starte ich durch ins Praxissemester. Am 3.September geht das Studium weiter, ab dem 8.September darf ich dann wieder die Schulbank drücken. Aber nicht nur das. Neben den vielen Stunden, die es zu hospitieren gilt, werde ich selber auch 30 Stunden unterrichten dürfen! Die Spannung steigt.

Johó tralala

“Was gleicht wohl auf Erden dem Jägervergnügen, wem sprudelt der Becher des Lebens so reich?”

Mir, oh ja, mir sprudelte er reich, dieser unersättliche Quell.

“Beim Klange der Hörner im Grünen zu liegen, den Hirsch zu verfolgen durch Dickicht und Teich,
ist fürstliche Freude ist männlich Verlangen, erstarket die Glieder und würzet das Mahl.
Wenn Wälder und Felsen uns hallend umfangen, tönt freier und freud’ger der volle Pokal.”

Denn am vergangenen Sonntag wurde das bis heute populärste Werk der deutschen Opernliteratur am Wasserschloss Glatt zur Aufführung gebracht: Carl Maria von Webers „Der Freischütz” als Inbegriff der deutschen romantischen Oper. Und ich war dabei!

Mehr als nur eine konventionelle Liebesgeschichte. Lügen, Intrigen. Versagensangst und jugendliche Unwissenheit. Der deutsche Wald, das ist unsere Heimat. Ach, er dient doch schon seit Anfang des 19. Jahrhunderts gerne als Sehnsuchtslandschaft für Märchen und Sagen der Romantik. Als Metapher für das Dunkle und Unbegreifliche der Seele.

Oh, wie habe ich den Abend genießen dürfen!
Magisch märchenhafte Momente, Liebe und Leidenschaft, Sehnsüchte und Begierden, Waldspuk und Mystik, die Faszination des Gefährlichen, Freuden, Leiden und Lebenslust - all das getragen von prächtiger romantischer Musik.

Wer Ohren hat zu hören

Im lauschigen Zimmer 225 fand die heutige Gehörbildungsprüfung statt, zumindest der mündliche Teil. „Ohren spitzen und lauschen”, sagte der kleine Mann in meinem Ohr.

Da habe ich mich natürlich gehörig ins Zeug gelegt und auch ein ganz ohrdentliches Ergebnis erzielt: Errechnet man sich die Quersumme aller angeschlagenen und richtig interpretierten Klaviertasten, dann habe ich mir die Note 1,5 erhört. So kann das Semester alsbald gemütlich ausklingen.

4.Semester - das ABC

Nach beinahe zwei Jahren Studium bin ich inzwischen beim Buchstaben B der großen Meister angekommen.

Die Chorkonzerte an diesem Wochenende - es sind drei an der Zahl - erreichen ihren fulminanten Höhepunkt. Freitag Schwenningen, Samstag Trossingen, Sonntag Gottmadingen.

Gesungen wird
J.S. Bach „Der Geist hilft meiner Schwachheit auf”
J. Brahms Motteten op. 110 „Ach arme Welt”, „Ich aber bin elend”
A. Bruckner Messe in e-Moll 

Die ersten zwei Konzerte sind gemeistert, bzw. überstanden, sogar mit stehenden Ovationen am Freitag. Am Samstag hat ein bisschen die Spannung gefehlt, vielleicht lag es auch an der Kirche, dass das Konzert nicht mit der Vorlage des Vortages mithalten konnte. Aber spannend wird es noch einmal heute Abend, wenn der Geist erneut unserer Schwachheit aufhelfen wird. Oder im Worte Loriots: „Musik!”

Horch: ein Ton!

Töne hören, darum geht es am kommenden Mittwoch, es wird der 25.Juni sein, wenn ich meine Prüfung in Gehörbildung absolvieren darf. Zumindest den schriftlichen Teil, denn der mündliche Termin lässt weitere vier Wochen auf sich warten.

So möchte ich konzentriert lauschen und freue mich, ab nächstem Semester ein Fach weniger zu besuchen. Bei diesem herrlichen Wetter überlegt man sich doch bisweilen, zu schwänzen. Eigentlich nehme ich es mir jeden Tag fest vor - aber dann kann ich mich nicht entscheiden, auf welches Fach ich mutwillig verzichten will.

Oh ja, die Leiden des jungen übermotivierten Musikstudenten.

“Tristanakkord” von Hans

„Er hörte leise Streicher, er hörte ein Schaben und Kratzen, dann ein trockenes Schlagzeug, dann wieder dieses Schaben und Kratzen, das langsam lauter wurde und sich allmählich verwandelte. [...] Nun zerrten die Streicher einen Flötenton hinter sich her, einen wimmernden, erschöpften und irgendwie ausgelaugten Flötenton, der wiederum vom mehr gehauchten als geblasenen Ton erst einer, dann mehrerer Trompeten gefolgt wurde. Das mussten die äußersten Ränder der Unterwelt sein, die Niederungen des Feuerstroms, seine Auen gewissermaßen.”

aus: Hans-Ulrich Treichel. “Tristanakkord”

Zugegeben, das Buch ist ein bisschen zäh, ich möchte fast sagen langweilig. Dadurch ‘“Tristanakkord” von Hans’ weiterlesen

Hans tanzt mit tausend Sternen

Hans’ Reise steht mehr als nur unter einem guten Stern: der ganze Himmel ist ihm gewogen, oder vielmehr wölbt er sich schützend über ihn. Alle Gestirne lieben ihn ob seines fröhlichen Gemüts. Tagsüber wetteifert er mit dem Strahlen der Sonne, um sich abends bei Einbruch der Dämmerung auf die für ihn durch sie vorgewärmte Erde zu legen und in behüteten Schlummer zu fallen.

Über ihm blitzen und blinken die Sterne, manche kleiner, andere größer, die einen schwächer, die nächsten intensiver in den mannigfaltigsten Gold- und Bronzetönungen.

Und blickt Hänschen in den Himmel hinauf, dann winken die Sterne zu ihm herab, hüpfen aufgeregt auf und ab. Drehen sich um die eigene Achse, überschlagen sich und manchmal purzelt auch einer vom Himmel zu ihm nieder. Ein jeder weiß seine Geschichte zu erzählen und sanft wiegen sie Hänschen in einen süßen Schlaf.

Zwar nicht direkt auf den Spuren Hänschens wandelnd, jedoch auch in der Intension, Geschichten zu erzählen, zu hören, im warmen Strohlager zu liegen und mit den Sternen zu tanzen, öffnet das 1000 Sterne Hotel vom 25. Juli bis zum 3. August wieder seine Feldwege zu gemütlichen Nachtlagern im Kornfeld.

Hans empfiehlt: Am besten noch heute buchen!

Welch ein Elch

Von Hänschen haben wir schon länger nichts mehr gehört, aus folgendem Grund:
In der Originalfassung des Liedes geht er zwar auch zu seiner geliebten Mutter zurück, jedoch erst nach einer Bildungsreise von 7 Jahren – er kehrt heim als Hans!
Für seine Mutter mag er vielleicht noch immer das liebe Hänschen bleiben, doch wir möchten ihn zunächst auf seiner Reise begleiten.
Warum er sich mehrere Wochen nicht gemeldet hat, oder aber ob die Post so lange für die Zustellung eines Briefes benötigt, sei dahingestellt. Endlich erhält seine Mutter ein Schreiben.

„Liebe Mutti,
aus Nordamerika sende ich Dir meine Grüße und Worte […]. ‘Welch ein Elch’ weiterlesen