Tag-Archiv für 'Erlkönig'

Der Erlkönig

von mir geschüttelreimt

Wer reitet so spät im Wahn der Nacht?
Man sieht den Vater nah’n, er wacht
Über sein Kind, gar bang um sein Leben,
Hofft, dass die Brust noch lang wird beben.

Mein Sohn, du lieber Kerl, stöhn nicht!
Siehst, Vater, du den Erlkönig?
Den Erlkönig mit seiner Kron’?
Ich sag dir, da ist keiner, Sohn!

<Ich will dich mit dem Spiel verführen
Und Freude sollst du viel verspüren.
Auch jetzt im Winter steht gerade
Manch bunte Blume am Gestade.>

Mein Vater, siehst du am dunkeln Ort
Erlkönig finster munkeln dort?
Bleib ruhig, sagt der auf linde Weise.
In Blättern rauschen Winde leise.

<Folg mir in meine ferne Welt,
wo es dir nicht an Wärme fehlt.
Wirst du dein Leben nicht wann enden,
dann muss ich wohl Gewalt anwenden!>

Den Vater beschäftigen im Herzen
Seines Sohnes heftige Schmerzen.
Dessen Stöhnen wird immer mehr ungeheuer.
Wann kommen sie endlich her ins Gemäuer?

Er treibt das Pferd voll Willensstärke.
- Der Tod verrichtet stille Werke -
Schon schimmert in Ferne der Tag rot.
In seinen Armen das Kind ragt tot.

Dem Erlkönige

Wer wird so spät durch Nacht und Wind geritten?
Ein stolzer Rappe, unbestritten.
Auf ihm sitzt ein vom Vater gehaltener Sohn,
So reiten sie eilends der Nacht davon.

Mein Sohn, was wird Dein Gesicht geborgen so bang?
Der Erlkönig, er wird gesichtet schon lang.
Wird er von Dir denn nicht gesehen?
Mein Sohn, es sind bloß Nebelwehen.

<Du liebes Kind wirst mit mir genommen,
Gar schöne Spiele sollst Du bekommen.
Manch bunte Blume wird an den Strand geschwemmt,
Von meiner Mutter getragen wird manch gülden Hemd.>

Mein Vater, mein Vater, wird von Dir nicht gehört,
Wie Erlenkönig mich leise betört?
Mein Kind, mäßige in Deiner Brust die Glut.
Dürre Blätter werden erregt vom Wind in seiner Wut.

<Erst werde ich Dir Dein Leben ausschütteln,
Dann sollen Dich meine Töchter betüddeln.
An den Reigen meiner Töchter sollst Du Dich erfreuen,
Die den Weg in Deinen Schlummer werden betreuen.>

Mein Vater, ein jeder ist blind, der nicht sieht
Erlkönigstöchter in diesem Gebiet.
Mein Sohn, es wird von mir eifrig geschaut,
Doch sind bloß die alten Weiden ergraut.

<Du wirst von mir heiß geliebt und verehrt,
So sollst Du mir nicht länger bleiben verwehrt.
Dein Körper: zart, sinnlich und makellos!
Den will ich entreißen Deines Vaters Schoß.>

Mein Vater, mein Vater, ich werde berührt.
Durch Erlkönig hab ich ein Leids verspürt.
Dem Vater sitzt tief im Herzen der Schrecken,
Drum reitet er stürmisch den tapferen Recken.

Das Pferd wird getrieben gar wild, ohne Rast.
In des Vaters Armend wird das Kind gefasst.
Der Hof wird mit Mühe und Not erreicht,
Doch das ächzende Kind ist verstummt und erbleicht.