Heute dirigierte ich aushilfsweise den Männerchor meines Mitbewohners. Männerchor: eine aussterbende Spezies. Schade oder zum Glück? Da kommen 20 motivierte Mittsechziger Mittwochabends nach der Gymnastikstunde noch gemeinsam in ihre Chorprobe und freuen sich auf nichts anders, als zu singen. Und sind eifrig dabei, wenn es darum geht, die richtigen Töne zu treffen. Und da mag es Dir jeder einmal richtig vorgesungen haben. Klingt das nicht herrlich? Als schön sind diese alten Stimmen bei weitem nicht mehr zu bezeichnen. Aber diese Aufmerksamkeit und Motivation, die sie einem über die anderthalb Stunden entgegenbringen! Nun gibt es in dieser 1000-Seelen-Gemeinde auch nicht viel Zerstreuung, da ist es schon mal was besonderes, wenn eine andere Chorleiterin kommt. Aber letztlich ist es wie in jeder mittelmäßigen Dorfmusik. Ein paar Übermotivierte, ein paar Mindertalentierte. Das Ergebnis ein undifferenziertes Gebrummel, dass sich mal weit über den Tonraum streut, mal irgendwo trifft und einpendelt. Die Richtigkeit des Notentextes ist da nebensächlich. Hatten wir doch wieder einen schönen Abend.
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