“Tristanakkord” von Hans

„Er hörte leise Streicher, er hörte ein Schaben und Kratzen, dann ein trockenes Schlagzeug, dann wieder dieses Schaben und Kratzen, das langsam lauter wurde und sich allmählich verwandelte. [...] Nun zerrten die Streicher einen Flötenton hinter sich her, einen wimmernden, erschöpften und irgendwie ausgelaugten Flötenton, der wiederum vom mehr gehauchten als geblasenen Ton erst einer, dann mehrerer Trompeten gefolgt wurde. Das mussten die äußersten Ränder der Unterwelt sein, die Niederungen des Feuerstroms, seine Auen gewissermaßen.”

aus: Hans-Ulrich Treichel. “Tristanakkord”

Zugegeben, das Buch ist ein bisschen zäh, ich möchte fast sagen langweilig. Dadurch anstrengend zu lesen. Aber wenn man sich durchbeißt, wird man irgendwann nach 200 Seiten mit diesen netten Beschreibungen des Werkes „Pyriphlegeton” belohnt, hier in gekürzter Fassung. Den Feuerfluss der Unterwelt gibt es in der griechischen Mythologie, das Werk wahrscheinlich nicht - vermutlich möchte man es nach der Beschreibung auch gar nicht hören. Ihr müsst das jetzt zumindest nicht mehr lesen, denn das Wichtigste gibt es ja hier.

„Nun kratzten die Streicher nicht mehr, sondern verfielen in eine Art Toben. Auch der Flötenton jammerte nicht, sondern kreischte laut auf, schrie förmlich, saugte die Luft in sich hinein und spie sie mit gewaltigen Stößen wieder aus. Die Trompeten setzen ein, in herrschaftlich vollen Tönen, als würden sich Himmelspforten öffnen, um sich sogleich wieder, als wären es plötzlich Höllenpforten, mit düsteren blechernen Schlägen zu schließen. Dann war es für einen Moment fast still, nur die Becken rasselten, bis Georg Abgrundklänge herauftönen hörte, aus Bläser, Streichern und Oboen gemischt, die immer heißer wurden, die zu kochen schienen und am Ende klangen, als würden sich Brandblasen füllen und gefährlich zerplatzen. Das musste die Mitte des Feuerstroms sein, die Glut, die heißeste Stelle, der Ort, an dem die Seelen am schrecklichsten litten.”

Ich hingegen werde mich nun in ein sicherlich gefälligeres Konzert begeben: die Lange Nacht der Kammermusik. Denn Musik in einer langen Sommernacht, die phantasievoll, verspielt, intim, mal still, mal stürmisch, donnernd erklingt, lädt heute zu einem Sommernachtstraum ein.

2 Kommentare zu ““Tristanakkord” von Hans”


  1. 1 Ulf

    Sehr schöner Artikel - nur was hat Hans damit zu tun? Ich glaube ein Hänschen Klein Video wäre cool. Vielleicht frei interpretiert auf der Querflöte mit Schlagzeugbegleitung? Oder eine WG-Jamsession auf Hänschen Klein?

  2. 2 amadeus

    Hehe, Hans ist eben ein bisschen weit hergeholt: Der Autor heißt Hans-Ulrich…
    Muss mal meine WG fragen, die finden das bestimmt klasse.

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